Schlagwort: Theater
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Jürgen Gosch II
Es hat schon in der Nacht angefangen zu regnen. Ich kann mich gar nicht mehr erinnern, wann ich das letzte Mal so nass geworden bin. Auf dem Fahrrad. Während der Vorlesung trocknet meine Hose an meinem Bein fest. Langsam. Eben spricht der Dozent noch von verwandten Schutzrechten, da sehe ich mir zu, wie ich auf…
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Jürgen Gosch
In meinem zweiten Jahr als Assistent, kam weniger ein neuer Regiestil in mein Leben, als eine gänzlich neue Haltung gegenüber dem Stück, dem Autor, den Schauspielern, dem Dramaturgen, dem Intendanten und der eigenen Regie. Ach, dem Leben in Gänze. Ich treffe ihn im Betriebsbüro, wo er sich mir höflich vorstellt und ich das erste Mal…
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Sebi Hartmann
Selten hat man am Theater die Gelegenheit, Freundschaften unter Regisseuren zu entdecken. Meist handelt es sich um Rivalität, mal verdeckt, meist eher offen zurSchau gestellt. Von Sebi hatte ich also bereits durch Armin erfahren. Die Sprüche, die er für ihn übrighatte, unterschieden sich jedoch deutlich von den Kommentaren zu unseren schwächlichen Existenzen. Ein Zynismus, der…
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Armin Petras
Als ich als Regiehospitant ins Theater einstieg, hatte ich mir, wie über so vielesandere auch, darüber überhaupt keine Gedanken gemacht. Regieführen, was ist das eigentlich? Keine Ahnung. Ich war als tumber Neuling zum Staunen verdammt, zur Reflexion blieb keine Zeit.Der erste Regisseur, den ich am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg kennenlernen durfte, war eine Urgewalt, auch…
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Und bitte. II

Bei den Proben im Privat-Theater hatte ich mich besonders mit einem Schauspieler aus Magdeburg angefreundet. Er wohnte in meinem Kiez und so verbrachten wirbald auch die proben- und vorstellungsfreie Zeit zusammen. Erik war wie ein wandelndes Theaterlexikon-ein Autodidakt der in der DDR nicht studieren durfte unddurch Glück am Theater gelandet war, wo er über die…
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Und bitte.
Zu meiner ersten Hospitanz bin ich vielleicht nicht zufällig gekommen, aber ich habe mich auch nicht aktiv darum bemüht. Während des Zivildienstes traf ich einenStationsarzt, der im Nebenjob Geschäftsführer in einem Hamburger Privattheater war und mir anbot, als Aushilfe dort anzufangen.Der Zivi-Job im Krankenhaus war nicht besonders anspruchsvoll aber ich hatte Spaß an der Arbeit…
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Fremd
Es könnte keinen passenderen Ort für diesen Abend geben, denn Michel Friedmanns autobiografischer Text „Fremd“ ist nichts weniger als die Erlebbarkeit von nicht selbstgewählter Isolation in mitten von Gesellschaft. Der Weg ins St. Pauli Theater, durch Gruppen betrunkener junger Männer, durch kostümierte Junggesellinnen Abschiede, die aus pinken Stretchlimousinen steigen, Dragqueens, die Reisegruppen aus Baden Württemberg…